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Smarte Lampen: Ende für Standby-Sünder

Mit der neuen Energieeinsparverordnung geht es stromhungrigen Lampen an den Kragen. Am 1. September ist es soweit. Diese smarten Lampen sind davon betroffen.

Für Fernseher, Kühlschränke und Waschmaschinen war es bereits im März 2021 so weit. Seitdem gilt für sie die neue Energieeinsparverordnung. Damit erhalten sie ein neues Energielabel mit neuen Energieeffizienzklassen. Die Klassen A++ und A+ gibt es nicht mehr, nur noch die Klassen A bis G. Die Folge: Die Geräte werden schlechter eingestuft.

Die neuen Energielabels kommen am 1. September 2021 ebenfalls für Lichtquellen – und somit auch für vernetzte Lampen. Die entsprechenden Bestimmungen folgen der Neufassung (EU) 2019/2020 der Ökodesign-Richtlinie und die delegierte Verordnung (EU) 2019/2015 zur Kennzeichnung des Energieverbrauchs von Lichtquellen. Demnach fallen ebenfalls bei Leuchtmitteln die Klassen A+ und A++ weg und die Anforderungen werden deutlich erhöht. Als Resultat werden im September wahrscheinlich kaum noch Lichtquellen die Klasse A erhalten und wenige die Klasse B.

Smarte Lampen: Maximaler Standby-Verbrauch von 0,5 Watt

Für smarte Lampen besonders relevant: die neuen Regelungen zum Standby-Verbrauch. Von September an muss die Leistungsaufnahme im Bereitschaftsbetrieb sichtbar auf der Verpackung angegeben werden, wenn diese nicht gleich Null ist – was für alle vernetzten Lampen zutrifft. Außerdem darf die Standby-Leistung von Lichtquellen und separaten Betriebsgeräten 0,5 Watt nicht überschreiten. Unter Betriebsgeräten sind elektronische Vorschaltgeräte zu verstehen, welche die notwendige Strom- und Spannungsversorgung für angeschlossene LED-Module und -Lampen zur Verfügung stellen.

Energieeinspar-Verordnung für Vorschaltgeräte
Lightstrips besitzen häufig ein externes Vorschaltgerät. Hier ist es ein Exemplar von Paulmann.

Der Standby-Verbrauch von Zigbee-Lampen, wie sie beispielsweise Philips Hue anbietet, bleibt in aller Regel unter 0,5 Watt. Problematisch dürfte die neue Regelung jedoch für viele WLAN-Lampen werden, die häufig mehr als 0,5 Watt im Standby verbrauchen. WLAN-Leuchtmittel erhaltet ihr beispielsweise von LIFX, Yeelight, Eve, Merross, TP-Link oder WiZ. Dürfen sie also ab 1. September nicht mehr verkauft werden?

Grundsätzlich gilt: Die Hersteller dürfen die Lagerbestände in der EU noch abverkaufen. Ab September dürfen jedoch keine neuen Lichtquellen mehr „in Verkehr gebracht werden“, deren Standby-Verbrauch 0,5 Watt übersteigt. Das bedeutet, neu produzierte Lampen mit einer Standby-Verbrauch über 0,5 Watt dürfen nicht mehr in der EU verkauft oder in die EU eingeführt werden.

Ungewisse Zukunft für Leuchtmittel von Eve, Tuya und Pearl

Wie die Hersteller mit diesen neuen Regelungen umgehen, ist häufig noch ungewiss. Auf Anfrage teilte uns der deutsche Hersteller Eve etwa mit, dass er noch auf eine Rückmeldung des Zulieferers wartet. Auch die Marke inLine, die WLAN-Lampen vom Zulieferer Tuya verkauft, arbeite mit seinen Lieferanten an einer Lösungen, um die vorgegeben Werte nicht zu überschreiten.

Der deutsche Elektronik-Versender Pearl hat ebenfalls eine ganze Reihe an WLAN-Lampen unter der Marke Luminea im Sortiment. Zum Beispiel die Luminea Home Control WLAN-LED-Lampe ZX2832 mit einem Standby-Verbrauch von 0,7 Watt. Laut Pearl sollen die Bestände der Lampe noch abverkauft werden. Generell stehe Pearl in engen Kontakt mit den Produzenten, um die entsprechenden Anpassungen und Optimierungen in den Produkten umzusetzen und um so den neuen Vorschriften gerecht zu werden.

Anderer Hersteller haben bereits konkrete Pläne. Zum Beispiel die Marke WiZ, die wie Philips Hue zu Signify gehört. Mit Inkrafttreten der neuen Energieeinsparverordnungen soll ab September die neue Produktgeneration ihrer WLAN-Lampen auf den Markt kommen (siehe auch Test).

Wieder andere Hersteller geben an, dass der Standby-Verbrauch ihrer WLAN-Lampen schon heute unter den 0,5 Watt bleibt. Das soll etwa auf die Lampen und Lichtstreifen von TP-Link und Merross zutreffen.

Von LIFX und Yeelight haben wir bislang leider keine Antwort auf unsere Anfrage erhalten, wie sie mit den neuen Regelungen umgehen.

Smarte Lampe: LIFX
Auch Lampen von LIFX sind von der neuen Energieeisnparverordnung betroffen. Ihr Standby-Verbrauch liegt über 0,5 Watt.

Ein Software-Update reicht nicht

Damit bestehende Produkte die neuen Vorgaben erfüllen, genügt normal kein Software-Update. Den Herstellern bleibt nichts anderes übrig, als die Hardware anzupassen – was mit großen Aufwand verbunden ist.

Wer also WLAN-Lampen von LIFX, Yeelight, Eve, Pearl oder Tuya besitzt, sieht also gerade einer ungewissen Zukunft entgegen. Derzeit lässt sich nicht absehen, ob es ab September weiter WLAN-Lampen von ihnen zu kaufen gibt. Wer also vorhat, in naher Zukunft ein Lichtsystem dieser Hersteller aufzurüsten, sollte es am besten vor September tun.

Meine Meinung

Ich finde es wichtig und richtig, dass der Standby-Verbrauch von Lichtquellen ab September 0,5 Watt nicht mehr übersteigen darf. Genauso finde ich es gut, dass auf den Verpackungen von smarten Lampen der Standby-Verbrauch angegeben werden muss. Leider gibt es bislang zu viele Hersteller, die ihre Kunden darüber im Unklaren lassen.

Der nächste Schritt wäre jetzt, diese Regelungen auf netzversorgten Produkten im Smart-Home auszuweiten. Es gibt immer noch genügend Schaltsteckdosen und Unterputz-Aktoren für Licht und Rollläden, deren Standby-Verbrauch 0,5 Watt überschreitet.

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